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Titel: Die Wahrheit macht dich frei?
Altersfreigabe: frei
Rechte: Die Charaktere dieser Geschichte gehören Ron Koslow and the Witt Thomas Produktion. Die Geschichte dient nicht zu kommerziellen Zwecken. Sie entstand nur aus Spaß am Schreiben.
Kategorie: BatB - Action
Inhalt: Was wäre, wenn eine bestimmte Person nicht gestorben wäre?
Kommentar: mal eine etwas andere ‚Was wäre wenn...’ - Story
Feedback: sehr gern



Die Wahrheit macht dich frei?

Ängstlich blickte er sich immer wieder um, während er die menschenleere Gasse hinablief. Folgten sie ihm? Hatten sie ihn etwa tatsächlich gesehen? Sein Herz raste. Seine Lunge brannte schon vom vielen Rennen. Er japste angestrengt nach Luft. ,Nur nicht anhalten’, dachte er. Er musste nur noch diese Gasse hinunter und ein Stück die angrenzende Straße entlang, dann würde er zu einem Zugang zu der unterirdischen Welt, in der er lebte, gelangen. Am Ende der Gasse hielt er an, um kurz zu verschnaufen und um nachzusehen ob die Luft rein war. Er konnte den Zugang, einen Kanaldeckel in der Mitte der Straße, deutlich sehen. Niemand schien in der Nähe zu sein und auch Autos fuhren nur wenige vorbei. Sollte er es wagen?

Was war das für ein Geräusch? Blitzschnell drehte er sich um. Und atmete beruhigt auf, als er erkannte, dass es nur eine Katze war, die die Mülltonnen nach etwas Essbarem durchsuchte. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass außer der Katze wirklich niemand dort war, drehte er sich wieder um... und erschrak. Zwei dunkelgekleidete Männer standen in der Nähe des Zugangs. Sicher waren sie hinter ihm her. Auf einmal hörte er Schritte hinter sich – jemand kam die Gasse hinunter. Er musste handeln, und zwar schnell, sonst würden sie ihn kriegen. Er wollte lieber gar nicht daran denken, was sie dann mit ihm machen würden. Ihn töten? Vielleicht, aber wohl eher nicht. Er war etwas besonderes. Vermutlich würden sie ihn gefangen nehmen und einsperren, womöglich sogar in einen Käfig stecken und zur Schau stellen. ,Nein, bloß nicht dran denken!’  Er schüttelte den Kopf, in der Hoffnung, damit auch die Gedanken abschütteln zu können. Panisch sah er sich nach einem Ausweg um. Er war doch schon einmal hier gewesen. ‚Denk nach, denk nach’, befahl er sich immer wieder. Ja, jetzt fiel es ihm wieder ein. Dort, hinter dem Häuserblock vor ihm führte ein Weg in den Central Park. Er musste es nur möglichst ungesehen über die Straße schaffen. Die Schritte hinter ihm kamen immer näher. Da, die beiden Männer schauten gerade in die andere Richtung. Jetzt oder nie! Schnell atmete er noch einmal tief durch und rannte dann los.
Gerade, als er die andere Straßenseite erreicht hatte, hörte er die Männer rufen. Sie hatten ihn entdeckt! Er musste schnell in den Park, nur dort hatte er eine Chance, seinen Verfolgern zu entkommen.

Es kam ihm wie eine halbe Ewigkeit vor, bis er endlich im Park war. Hier war es wenigstens dunkler als in den Straßen der Stadt und hier kannte er sich auch bestens aus. Die Männer waren ihm dicht auf den Fersen. Er nahm seine letzten Kräfte zusammen und durchquerte so schnell er konnte den Park. Dann endlich sah er ihn: den großen Abwassertunnel. Wenn er es bis dahin schaffte, war er in Sicherheit. Dann war er wieder in seiner Welt. Vorsichtig blickte er sich noch einmal in alle Richtungen um. Die Männer waren nirgends zu sehen. Auch beim Tunnel war alles ruhig. Flink lief er hinein und bediente den Mechanismus, der den Eingang zu der geheimen Welt öffnete. Nachdem er durch das Gitter gehuscht war, sah er sich noch einmal um. Noch immer war niemand zu sehen. Er hatte sie tatsächlich abgehängt. Erleichtert marschierte er durch den Tunnel. ,Noch einmal davongekommen’, dachte er zufrieden. Ein Geräusch ließ ihn jedoch innehalten. War das nicht das Gitter gewesen? Nein, das konnte nicht sein. Ein ungutes Gefühl überkam ihn, seine Nackenhaare stellten sich auf. Ängstlich drehte er sich um. 
„Hallo, Julian.“  ‚Er’ war es, er hatte ihn gefunden! ‚Er’ und seine Männer hatten tatsächlich den Eingang entdeckt! Sie waren hier, an dem Ort, den er immer für so sicher gehalten hatte und wo er sich so geborgen fühlte. Er starrte die Eindringlinge an. Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen: Dieser Ort - diese Welt - war längst nicht mehr so sicher. Schon einmal hatte ‚er’ einen Killer hier hinunter geschickt. Wie hatte er das nur vergessen können? Sein Vater hatte ihm doch davon erzählt. Er musste an Vincent denken. Wie oft hatte er ihn – Jacob – gewarnt. Nun gab es kein Entrinnen mehr. Gabriel stand eiskalt lächelnd vor ihm. Jacob war zu erschöpft für einen weiteren Fluchtversuch. Aber wohin hätte er auch fliehen sollen? Die Tunnel bieteten keinen Schutz mehr. Wo war Vincent nur? Wieso ließ er ihn ausgerechnet jetzt im Stich und kam ihm nicht zur Hilfe? Gabriel streckte die Hand nach ihm aus. „Komm, mein Sohn, wir gehen nach Hause. Jetzt wird uns nichts und niemand mehr trennen!“

***

„Aahh!“  Jacob schreckte hoch. Vorsichtig blickte er sich um. Er befand sich in seinem Bett, in seiner Höhle. Kein Gabriel in Sicht, aber dafür sah er Vincent die Höhle betreten. Jacob atmete erleichtert auf. „Hattest du wieder diesen Traum?“ fragte Vincent sanft. Jacob nickte stumm, dann fiel er seinem Vater in die Arme. Er wollte ihn unbedingt spüren, musste sich unbedingt vergewissern, dass dies nicht auch nur ein Traum war, sondern Vincent wirklich da war. „Du wirst mich doch nie im Stich lassen, nicht wahr?“ meinte er leicht schluchzend. „Niemals“, antwortete Vincent und drückte seinen Sohn an sich.

Ende


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